Zweifellos wohnt der Sprache ein machtvoller Zauber inne, indem sie wirkt, und dieses Wirken kann ebenso faszinierend und hypnotisierend, belebend und beglückend sein wie verletzend und tötend, traumatisierend und manipulierend. Jedenfalls ist Sprache letztlich nie (streng) monologisch, sie wirkt vielmehr stets zurück und passt sich ein in die Elementaraussage: Alles Leben ist Beziehung, ein anderes Leben gibt es nicht.
Und dies bedeutet: Ich kann nicht nicht kommunizieren, mich nicht nicht verhalten, nicht nicht in Beziehung stehen, die ihrerseits stets und unabdingbar wieder auf mich zurückwirkt. Das ist ein fürwahr herrlich abenteuerliches Beziehungsgeflecht, das uns jedoch stets zur Verantwortung ruft!
Dies begriffen und zum Inhalt eines Buches gemacht zu haben, ehrt und adelt den Autor und Journalisten, Verleger und Redakteur Wolf Schneider - dies ist um so erstaunlicher, als nicht zuletzt gerade die Journalisten und die Medien"verantwortlichen" sich sehr wohl den Schuh dafür anziehen müssen, dass die kommunikative Qualität des Zwischenmenschlichen heute so sehr geprägt ist von Verletzendem, von Entpersönlichendem und Entwertendem und dass der Umgang mit den Mitmenschen allenthalben zu einem kollektiv sadistischen und zynischen Spektakulum geworden ist, zu einer oftmals (brutalen) Kampfdialektik. Besonders im siebten Kapitel ("Konflikte und Veränderungen") wird die ethische Komponente greifbar und damit die Abhängigkeit der sprachlichen, rhetorischen, wirkungsmächtigen Kompetenz von der sittlichen Kompetenz des Sprechenden, des sich auf den anderen Beziehenden.
Das Büchlein ist schon deshalb äußerst empfehlenswert, weil darin auf ganz unaufdringliche Art und Weise immer wieder durchsickert und plausibel gemacht wird, dass und wie sehr "Sprache" immer auch angewandte Ethik ist.
Ob man nun "Sprache", ob man überhaupt das Dialogische nur im engeren Sinne der Gesprächskultur verstehen will oder es begrifflich weiter fasst, nämlich als einen wechselseitigen Bezug des Menschen zu den Angeboten des Lebens und als seine Antwort darauf, dies Eine gilt unbestritten: Das Dialogische erweist sich als Grundkategorie des Menschlichen.
Ich ersetze gerne "Leben" mit "Situationswelt", und solches Leben ist eine unendliche Folge verschiedenster Situationen, wobei endlich begriffen werden muss, dass Situation immer Situation für mich ist, d.h. sie ist - da ich auf sie einwirken kann und sie aber auch auf mich - ein Kraftfeld, das in seiner psychisch-energetischen Dynamik etwas "will", etwas von mir "will", seine Frage an mich stellt und immerzu Antwort, jedenfalls eine Reaktion erwartet.
Aus der hieraus resultierenden Erkenntnis, dass Menschsein heißt In-Frage-Stehen und Leben = Antworten, ergibt sich als Tatsachenwahrheit und als neues Paradigma nach fast 4 Jahrhunderten Descartes: Ich antworte, darum bin ich (respondeo ergo sum, also nicht: cogito ergo sum!):
Sprechend, kommunizierend, verzaubernd ("Zauberkraft der Sprache!") bin, existiere, erlebe und erfahre ich mich, insoweit ich antworte. Das bedeutet: Ich entstehe in allen Schichten meines Sein, des Körpers, der Sinnesorgane, meiner Seele und meines Geistes nur insoweit, als ich antworte; ich trete ins Sein durch einen Akt des Antwortens, und meine Entwicklung baut sich in komplizierten und untereinander verbundenen Akten des Antwortens auf.
Was Wunder, dass hieraus Verantwortung wächst, und zwar nicht als etwas Nebensächliches, sondern als wesentlicher Ausdruck der dialogischen Existenz des Menschen. Wer nicht mehr antwortet (nicht mehr reagiert, nicht mehr erwidert und in Resonanz steht), ist definitiv tot.
Wolf Schneider zeichnet solche Gedankengänge behutsam und für jeden verständlich nach, er weiß sehr wohl, dass wir unaufhörlich mit und ohne Worte kommunizieren und immer in Beziehung stehen, er kennt sehr deutlich und en detail die in allen "Sprachen" machtvoll wirkende Magie und zeigt überzeugend Wege auf, wie wir uns vor manipulativ-unwillkommener Beeinflussung schützen bzw. uns ihrer Kraft positiv(!) bedienen können.
Dem Büchlein - bequem in jede Hand- und Jackentasche passend und mit auflockernden Illustrationen versehen - sei ein möglichst großer Leserkreis gegönnt, denn es spiegelt eindrucksvoll wider (und das ist heute eine wichtige Maxime!), dass Glaubwürdigkeit, Echtheit (Identität!) und Wahrhaftigkeit in der Sprache wesentliche und bedeutende Merkmale des Sittlichen sind.
Mit der "Zauberkraft der Sprache" möge sich punktuell jedermanns Kommunikation verbessern und die Erkenntnis reifen lassen, dass eine neue, ethisch verantwortete Dialogkultur eigentlich gelebte Spiritualität sei, nicht als Ausdruck konfessionell organisierter Religiosität, sondern als Brücke zum Metaphysischen, indem ein Mensch sich in seinem Selbstverständnis dort beheimatet fühlt, wo das Jenseitige im Diesseitigen erstrahlt.
<b>Über Wolf Schneider</b>:
Jahrgang 1952, arbeitet als Verleger, Redakteur, Autor und Kommunikationscoach. Einst buddhistischer Mönch und Weltreisender, begleitet er seit über zwei Jahrzehnten Menschen auf dem Weg zu sich selbst. Sprache und wie sie funktioniert ist sein Lebensthema.
<b>Über Dr. phil. Bernhard A. Grimm</b>:
Geboren 1942. War nach dem Studium der Theologie und Philosophie und einem Zweitstudium der Altertumswissenschaft als wissenschaftlicher Assistent an der Uni München in Lehre und Forschung tätig, ehe er für ein knappes Jahrzehnt im mittleren Management eines mittelständischen Unternehmens Führungsaufgaben wahrnahm.
Seit ca. 20 Jahren ist er selbständig unterwegs (homo viator) als Seminarleiter und Referent für persönlichkeitsbildende, philosophisch-psychologische und vornehmlich ethische Themen und Fragestellungen (Führungs-Ethik) in Industrie und Wirtschaft, an Akademien und für den Rundfunk. Logotheoretische Kenntnisse hat er sich autodidaktisch erworben.
Es ist ihm ein Anliegen und Bedürfnis, den Menschen unter dem Aspekt: "Tanken Sie auf: Körper - Seele - Geist" sowohl Denkanstöße für ihre individuelle Entwicklung zu geben als auch Orientierungshilfe anzubieten für ihren persönlichen und beruflichen Alltag.
Er ist Autor zahlreicher Sachbücher, u.a. "Ethik des Führens. Guter Mensch - schlechter Manager?" (LangenMüller, München 1994, 347 Seiten, ISBN 3-7844-7328-8) und "Macht und Verantwortung. Ein Anti-Machiavelli für Führungskräfte" (Gabler, Wiesbaden 1996, 221 Seiten, ISBN 3-409-18917-3).
© Dr. Bernhard A. Grimm / Web: http://www.dr-bernhard-grimm.de/
Niederscheyerer Straße 17
D-85298 Scheyern
e-mail: dr.grimm@online.de
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